Wehrungerechtigkeit nimmt zu

Die Wehrungerechtigkeit in Deutschland nimmt nach Berechnungen der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen (KDV) zu.

In diesem Jahr würden 435 000 Männer wehrpflichtig, die Bundeswehr benötige aber nur rund 80 000 für den Grundwehrdienst und den freiwillig verlängerten Grundwehrdienst, erklärte der Geschäftsführer der Zentralstelle KDV, Peter Tobiassen, nach einer Meldung der Frankfurter Rundschau vom 19.2.2004. Dies seien 20 Prozent des Jahrgangs. Wenn man alle Untauglichen, Kriegsdienstverweigerer, die Helfer im Zivilschutz, Polizisten und freiwillige Soldaten abziehe, blieben immer noch 120 000 junge Männer, die trotz Verfügbarkeit für den Grundwehrdienst nicht einberufen werden könnten. Aus früheren Jahrgängen warteten noch mehr als 350 000 unter 23-Jährige auf ihre Einberufung. Während die Zentralstelle bisher davon ausgegangen sei, dass die Bundeswehr jeden zweiten verfügbaren Wehrpflichtigen einberufen könne, werde es künftig nur noch jeder Dritte sein. Tobiassen riet jungen Männern, erst zu verweigern, wenn sie einen Einberufungsbescheid erhielten. Das Bundesverteidigungsministerium widersprach der Darstellung. Man müsse berücksichtigen, dass der Grundwehrdienst lediglich neun Monate dauere. Im vergangenen Jahr seien für 87 000 Dienstposten rund 120 000 junge Männer einberufen worden. In diesem Jahr sei die Zahl der Dienstposten um 15 Prozent reduziert. Tobiassen entgegnete, mehr als ein Drittel der Dienstposten seien für eine Dienstzeit von 18 Monaten vorgesehen.

(Frankfurter Rundschau vom 19.2.2004)