Schlechte Noten für Schulbücher

Schulbücher vermitteln nur mangelhafte Informationen über Kriegsdienstverweigerung

Im Auftrag des KDV-Pfarramtes Stuttgart untersuchte Klaus Pfisterer, Lehrer und KDV-Rechtsbeistand, stichprobenartig an 10 Schulen in Baden-Württemberg die dort eingeführten Schulbücher daraufhin, wie das Thema KDV und Zivildienst den SchülerInnen vermittelt wird.

Dabei wurden folgende Bücher untersucht:

Hauptschule:

1. "Damals - heute - morgen", Klasse 9, Klett a. 1995/6, b. 2000

2. "Doppelpunkt", Klasse 9, Schroedel 1996

Realschule:

3. "Demokratie heute", Klasse 9, Schroedel 1995/6

4. "P wie Politik", Bd. 3, Klasse 9/10, Schöningh a. 1995, b. 2001

Gymnasium:

5. "Mensch und Politik", Klasse 10, Schroedel a. 1995, b. 2001

6. "Politik im Wandel", Klasse 10, Schöningh 1994

7. "Politik im Wandel", Klasse 11, Schöningh 1998

8. "Politik im Wandel - Friedenssicherung als Aufgabe der internationalen Politik", Klasse 13, Schöningh 1999

9. "Mensch und Politik - Friedenserhaltung und Friedensgestaltung", Klasse 13, Schroedel 1999

Dem Thema Bundeswehr und Friedenssicherung wird in den Schulbüchern ein höherer Stellenwert eingeräumt als der Kriegsdienstverweigerung und dem Zivildienst. Viele Schulbücher gehen in ihren Quellen auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes von 1978 ein, in dem der Bundeswehr und der militärischen Landesverteidigung ein höherer Verfassungsrang eingeräumt wird als der Kriegsdienstverweigerung.

Keines der untersuchten Schulbücher stellt das KDV-Verfahren richtig dar. Wenn sich die jungen Menschen auf die Informationen in den Schulbüchern verlassen, bleiben Fehler bei ihrer Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen nicht aus. Das Thema KDV wird in der Regel oberflächlich dargestellt. In vielen Büchern findet man inhaltliche Fehler. Einige Beispiele seien hier genannt:

- der Antragsweg wird falsch beschrieben (KDV-Antrag ans BAZ statt ans KWEA) (Klett 1995 und 2000)

- Das KDV-Verfahren wird nicht erwähnt und nicht beschrieben (Schroedel)

- Es wird nur das schriftliche Verfahren dargestellt, das mündliche Verfahren fehlt (Schroedel)

Die Mängel, die hier sichtbar werden, machen erkennbar, wie wichtig es ist, KDV-Beistände in den Unterricht einzuladen. Sie sind die kompetenten Fachleute, wenn es um Kriegsdienstverweigerung und um Zivildienst geht.