Projekt „Schwarzbuch Wehrpflicht“ bittet um Mitarbeit

"50 Jahre Wehrpflicht sind genug"

Ein „Schwarzbuch Wehrpflicht“ planen die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland und die Zentralstelle für Recht und Schutz der KDV aus Gewissensgründen. Junge Wehrpflichtige werden aufgerufen, sich über das Internet (www.forum-wehrpflicht.de) an der Erstellung dieses Schwarzbuchs zu beteiligen.

 

Schon lange treten beide Organisationen für die Abschaffung der Wehrpflicht ein. Dazu erklärt Barbara Kramer, Vorsitzende der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen e.V.: "15 Jahre nach Ende des kalten Krieges ist vor einer grundlegend veränderten Sicherheitslage eine Beibehaltung der Wehrpflicht nun endgültig nicht mehr zu rechtfertigen. Die Politik sollte die Realität erkennen und die nötigen Konsequenzen ziehen." Eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Wehrpflicht findet sich unter http://frieden-schaffen.de / Texte auf dieser Seite.

 

Jahr für Jahr werden immer noch zehntausende junger Männer zu Pflichtdiensten herangezogen. Eine gerechte Verteilung zwischen jungen Wehrpflichtigen und Zivildienstleistenden ist dabei immer weniger gegeben. Mike Corsa, Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in der Bundesrepublik Deutschland e. V. (aej), sieht hier ein grundlegendes Problem: "Das Problem der mangelnden Wehrgerechtigkeit ist nur ein Aspekt. In einer Zeit, in der allgemein eine Verkürzung der Schul- und Universitätsausbildung gefordert wird, ist es unverständlich, weshalb junge Männer zwangsweise gerade in dieser wichtigen Phase zu Pflichtdiensten herangezogen werden."

 

Der Schwarzbuchprozess soll von der Wehrpflicht betroffenen jungen Leuten ein Forum für ihre Meinung bieten. Dazu Mike Corsa: "Für uns als Jugendverband ist es wichtig, dass junge Menschen selbst zu Wort kommen." Auf der Homepage www.forum-wehrpflicht.de können eigene Probleme, Erfahrungen und Meinungen berichtet werden. Exemplarische Fälle werden Anfang 2007 in einer Broschüre aufbereitet. "Wir hoffen", so Barbara Kramer von der Zentralstelle KDV, "so einen weiteren Impuls zu geben, damit im Bundestag nun endlich ernsthaft über ein Ende der Wehrpflicht beraten wird."

 

Zu den Trägerorganisationen der Zentralstelle für KDV zählen die Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer und Zivildienstleistenden sowie das Pfarramt für Friedensarbeit, KDV und ZDL der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Päsidentin der Zentralstelle ist Margot Käßmann, Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Hannover.