Landeskirche will Rüstungsindustrie für zivile Produkte gewinnen

Evangelische Landeskirche in Württemberg startet eine Initiative zur Rüstungskonversion

Stuttgart (epd). Die Evangelische Landeskirche in Württemberg startet eine Initiative zur Rüstungskonversion. Dazu will die Kirche Gespräche mit Firmen in Württemberg führen und diese beraten, wie sie von der Waffenproduktion auf die Herstellung ziviler Produkte umstellen können, kündigte Oberkirchenrat Ulrich Heckel am Wochenende in Stuttgart an. «Wir wollen das Thema Rüstungsindustrie und Rüstungsexporte angehen», sagte Heckel im Blick auf die aktuelle Debatte um den Export deutscher Panzer nach Saudi-Arabien.

Heckel gab die geplante Initiative seiner Kirche bei einer Auswertungstagung zur «Internationalen ökumenischen Friedenskonvokation» bekannt. Eine 14-köpfige Delegation aus Württemberg war im Mai zur Konferenz des Weltkirchenrats nach Jamaika gereist. Von den rund 40 Teilnehmern der Tagung wurde der Vorstoß der Landeskirche begrüßt.

Heckel sagte, es gehe ihm um konkretes Umsteuern in der Wirtschaft und nicht um eine Fundamentaldiskussion. Er wies darauf hin, dass es durchaus Waffen gebe, die notwendig seien, zum Beispiel für die Polizei. Der Friedensbeauftragte der Landeskirche, Pfarrer Ulrich Schmitthenner, erinnerte an die vor zwei Jahren verabschiedete «Birkacher Erklärung» zur Ächtung von Waffenexporten. Der Theologe beklagte, dass die Landessynode sich mit der Erklärung noch nicht befasst habe.

Auf der Tagung in Stuttgart bekräftigten die Teilnehmer, dass das Friedensthema mit der Konferenz in Jamaika mit rund 1.000 Teilnehmern aus aller Welt nicht abgeschlossen sei, sondern jetzt verstärkt in die Gemeinden getragen werden müsse. Dies sei bisher nicht im gewünschten Maße gelungen, hieß es. Die Tagung wurde veranstaltet in Kooperation mit dem Zentrum für Entwicklungsbezogene Bildung, dem Ökumenischen Netz Württemberg und dem Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung. (1364/10.07.2011)

Der Konvent der Friedensbeauftragten und Beistandspfarrer in Württemberg hat im April 2009 die Birkacher Erklärung zur Rüstungsproduktion und -Export veröffentlicht. Sie fand im Rüstungsexportbericht der gemeinsamen Konferenz der Kirchen für Entwicklung (GEKE) im Folgejahr ihren Niederschlag. 2010 gab das Pfarramt für Friedensarbeit eine Kirchenkarte heraus mit den Standorten von Rüstungsproduktion in Württemberg. Sowohl die Birkacher Erklärung als auch die Landkarte wurden ins Englische übertragen.